„BEI UNS GIBT ES KEINE MITARBEITER, DIE ANGEHÖRIGE PFLEGEN!“

DER Pflichttermin für Personalverantwortliche:

10€ Gutschein für Ticket

zum 1. Münchner care+work Dialog am 31.03.20 in der Jochen Schweizer Arena

 Code: EMP-CW10

Pflegende Mitarbeiter – die unbekannten Wesen im Unternehmen

 

 

Die positiven Aspekte des Fachkräftemangels

Familien- und Wirtschaftspolitik waren bis vor kurzen zwei Welten für sich, doch mit dem zunehmenden Fachkräftemangel nähern sich diese Welten an und finden und bilden Schnittmengen. Dieser Prozess wurde maßgeblich eingeleitet vom massiven Fachkräftemangel, der nach praktikablen Lösungen zu einer der größten Bedrohungen der deutschen Wirtschaft sucht. Eine dieser Lösungen ist die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf.

Recruiting-Thema Familie – Pflege – Beruf

Seither unternehmen Wirtschaft und Politik vieles, um die Vereinbarkeit für Mitarbeiter gelingen zu lassen, langsam aber sicher auch für die pflegenden Mitarbeiter. Wobei es immer noch am gesellschaftlichen Verständnis mangelt und vor allem an der Kultur der Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf in unseren Landen. Wir erarbeiten Konzepte, probieren sie aus, verändern sie, passen sie gegebenenfalls an und verwerfen sie oftmals wieder. Warum? Weil die Konzepte vermeintlich nicht funktionieren.

Konzepte für pflegende Mitarbeiter funktionieren nicht – Warum?

Darauf gibt es eine einfach Antwort: Die Vereinbarkeits-Konzepte wurden auf dem „grünen Tisch“ gemacht. Es fehlt der Blick auf die Befindlichkeit des pflegenden Angehörigen. Es fehlt der Tiefgang. Es fehlt das tiefe Verständnis für die Prozesse und vor allem fehlt das Verständnis für die Menschen, die es nicht gewöhnt sind, Pflege und Beruf zu vereinen. Im Gegenteil, wir haben im Laufe unserer Sozialisation gelernt, dass die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf nicht existent sei. So spricht man im Zusammenhang mit berufstätigen Müttern immer noch von Rabenmüttern und umgekehrt gelten erwachsene Kinder/Angehörige als undankbar und unmenschlich, wenn sie ihre pflegebedürftigen Eltern nicht selbst pflegen. Was in Bezug auf Fremdpflege der Kinder die Rabenmutter ist, wird bei der Fremdpflege der Eltern mit Abschiebung umschrieben.

Negativ-Image für pflegende Mitarbeiter

Dieses Negativimage ist des Pudels Kern und stellt das Hauptproblem dar, wenn es um das Thema Vereinbarkeit von Pflege und Beruf geht. Hinzu kommt noch, dass pflegende Mitarbeiter nicht erfasst sind, schon gar nicht beim Arbeitgeber. Es weiß niemand, welche private Situation hier dahintersteckt. Und Betroffene erzählen das in der Regel auch nicht. Aus Scham, aus Angst vor Nachteilen im Beruf, weil es unangenehm und einfach ein Tabu-Thema ist. Es gehört eine Menge Vertrauen in die Vorgesetzten dazu, so etwas anzusprechen.
Aber auch bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gilt als Voraussetzung für das Gelingen die Akzeptanz der Fremdpflege und die Aufgabenverteilung an Fachkräfte. Dieser Prozess wiederum ist eng verknüpft mit dem Begriff „Verantwortung“. Wir alle müssen lernen, dass wir Verantwortung übernehmen müssen für unsere pflegebedürftigen Eltern. Das heißt jedoch nicht, dass wir diese Pflege immer selbst durchführen müssen.

Delegieren und verteilen

Dieser Prozess ist ähnlich vergleichbar mit professioneller Projektarbeit. Auch Projektverantwortliche in der Wirtschaft machen nicht alles selbst, sondern organisieren die Lösungsprozesse. Übertragen auf die Situation von pflegenden Mitarbeitern heißt Verantwortung übernehmen:

  • nach Lösungen suchen
  • nach Hilfestellungen Ausschau halten
  • sich umfassend informieren
  • das Beste an Unterstützungs- und Hilfsangeboten für den zu Pflegenden finden
  • Wenn wir alle Informationen gesammelt haben, dann geht es darum, die aktuelle Situation in den Griff zu bekommen

Wir überprüfen alle Informationen, wägen ab und suchen uns die besten Lösungsmöglichkeiten aus – selbstbestimmt, selbstbewusst und professionell. Eine der Lösungen kann die partielle Fremdpflege sein, die sowohl dem zu Pflegenden, als auch dem pflegenden Mitarbeiter gut tut, wenn alle Komponenten zusammenpassen und das „Projektmanagement“ stimmt. So bleibt für jeden, der am Prozess beteiligt ist ein gutes Gefühl.

Nicht vereinnahmen lassen

Ein pflegender Mitarbeiter weiß, dass er sich seiner Verantwortung stellt, diese wahrnimmt aber NICHT vom Prozess vereinnahmt wird. Er kann und darf sein Eigenleben weiterführen, er darf und kann Pflege und Beruf vereinen. Der Pflegebedürftige wird gut, soll heißen professionell und zugleich liebevoll versorgt, so wie es seinem Bedürfnis entspricht. Gleichzeitig bewahrt er seine Würde. So betrachtet und organisiert, entsteht im Laufe der Zeit eine Kultur der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, die zeitgemäße Antworten findet auf das brennendste Thema unserer Zeit, den demographischen Wandel mit all seinen Folgen.

Psychologie weit über den Schreibtisch hinaus

Diese psychologischen Zusammenhänge zu erkennen, in denen ein pflegender Mitarbeiter steckt, ist eine der wichtigsten Aufgaben für Personalverantwortliche. Erst wenn sie entsprechend sensibilisiert sind, können sie die richtigen Angebote im Unternehmen wirksam installieren.
Fakt ist: Im Zeichen des demographischen Wandels und einer alternden Gesellschaft stellt die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Unternehmen dar.

 

 

FAZIT: Es ist höchste Zeit, dass sich die Personalabteilungen in unserem Land dieser Thematik stellen.

Erfahren Sie mehr von mir zu diesem Thema in meinem Workshop:

„Führungskräfte-Sensibilisierung – vom richtigen Umgang in schwierigen Situationen: Wie erkennen Sie belastete Mitarbeiter? Wie sprechen Sie sie richtig an und halten sie bzw. holen sie wieder an Bord?“

31.03.2020   |   1. Münchner care+work Dialog |  Jochen Schweizer Arena