Woran Frauen in der Politik scheitern. 

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Bildquelle: https://annalena-baerbock.de
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Frauen in Führungspositionen sind enorm wichtig für eine sich verändernde  Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Ich zähle viele Frauen zu meinen Kundinnen und ich weiß, wie oft auch starke und kompetente Frauen immer wieder an der gläsernen Decke scheitern. Deshalb ist mir, als Unternehmensberaterin und Publizistin,  das Thema der stimmigen Stimme so wichtig.

Deshalb gebe ich in meinem Blog einer hervorragenden Journalistin und Stimmexpertin  „im wahrsten Sinne des Wortes“ eine Stimme.

Wiebke Huhs ist Nachrichtenredakteurin beim SWR, außerdem ist sie ausgebildete Opernsängerin. Sie steht seit über 20 Jahren auf internationalen Bühnen – im Radio und als  Speakerin, Sängerin und als Stimmcoach.

Dieses Jahr gewann sie den 3. Preis beim  European Speaker Award in Straßburg.
Ihr Metier ist die Stimme und alles, was mit ihr zusammenhängt – Körper, Psyche, Ausdruck und Persönlichkeit – und natürlich eine packende Bühnenpräsenz.

Sie weiß aus eigener Erfahrung,  wie man unter Druck in jedem Moment Höchstleistungen vollbringen kann. Und sie weiß, wie wichtig das optimale Zusammenspiel von Körper, Geist, Stimme und Ausdruck für den großen Erfolg ist.

In ihrem folgenden Gastbeitrag erklärt sie in einem treffenden Statement, warum die derzeit wichtigste Führungsfrau in unserem Land, Annalena Baerbock, ihre hervorragende Kompetenz im Moment nicht so recht an den Mann, an die Frau bekommt.

„Mit ihrer Stimme macht sie keine Stimmen“, sagt Wiebke Huhs.

Wir brauchen die weiblichen Stimmen in unserer Politik und unserer Gesellschaft! Frauen müssen endlich gleichziehen und Führung und Verantwortung übernehmen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir ALLES analysieren, was uns Frauen im Moment noch den großen Durchbruch „vermasselt“.

Vielen Dank, liebe Wiebke Huhs für deine Expertise. Meinen Blogleser*innen wünsche ich viele gute Erkenntnisse. Lernt daraus!

Unserer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock wünsche ich noch viel Erfolg auf den letzten Metern!

Eva-Maria Popp

 

 

 

Gedanken zum Wahlkampf und der Kanzlerkandidatin

 

Stark, aber nicht stimmig!

Woran Frauen in der Politik scheitern?

Eine Expertenmeinung von Wiebke Huhs

 

 

Annalena Baerbock ist eine intelligente, gebildete und starke Frau. Sie hat es bis an die Spitze einer Partei geschafft und ist jetzt Kanzlerkandidatin. Dazu gehört viel Ausdauer, Zähigkeit, Kraft und vor allem Kompetenz. Und trotzdem kommt sie jetzt – in der entscheidenden Wahlkampfphase – nicht richtig an.

Warum ist das so? Sind es wirklich nur vergleichbar kleine Fehltritte wie unkorrekte Zitate im Buch und ein optimierter Lebenslauf, oder liegt es daran, wie sie sich jetzt nach außen präsentiert?

Ich glaube, es liegt mit an ihrer Stimme, wie das bei vielen Frauen der Fall ist.

Von Haus aus sind Frauenstimmen etwas höher als Männerstimmen. Aus der Kommunikations-psychologie wiederum wissen wir, dass tiefe Stimmlagen mehr Autorität vermitteln als hohe. Liegt in diesem Phänomen das Problem?

Ich meine: JA. Die Stimme ist die Crux vieler starker Frauen und lässt sie weit hinter ihren männlichen Kollegen zurück.

Im aktuellen Triell vom Sonntag, lag sie in den Sympathiewerten deutlich vorne, im Gegensatz zu den Kompetenzwerten.

Das ist schade! Und unnötig!

Annalena Baerbock hat in letzter Zeit im Oberkörper viele Spannungen, obwohl sie sich nach außen locker und légère gibt. Dadurch schwingt ihre Stimme nicht frei, wird enger und damit schärfer und bekommt einen etwas „knatschigen“ Klang. Das wirkt auf den Betrachter dann schnell „piefig“ oder „zickig“, obwohl sie das persönlich sicher nicht  ist.

Oder die ehemalige Familienministerin Franziska Giffey. Mit ihrem leichten Lispler und der hohen mädchenhaften Stimme wirkt sie schnell niedlich, und der Zuhörer nimmt das, was sie sagt, nicht so ernst. Dabei könnte sie mit einer im Körper angebunden Stimme so viel schlagkräftiger und überzeugender rüberkommen.

Der Sängerin Zarah Leander hat man jedes Wort abgenommen, weil nicht nur die außergewöhnliche Dunkelheit ihrer Stimme, sondern auch ihre körperliche Art zu sprechen, jeden sofort fasziniert und in Bann geschlagen hat. Denn das ist das Geheimnis jeder guten, mit dem Körper verbundenen Stimme: sie klingt angenehm, stimmig und man hört ihr gerne zu.

Woran liegt es also, dass diese Politikerinnen und ihre Berater*innen  diesen Zusammenhang nicht kennen oder berücksichtigen? Wir wissen doch, wie intensiv Politiker*innen auf Rededuelle vorbereitet werden, wie sie gedrillt und getrimmt werden in Sachen Körpersprache! Warum dann nicht auch in Sachen Stimme und Kraft der Worte?

Vielleicht liegt es daran, dass Politik in den oberen „Sphären“ noch immer mehr oder weniger eine Männerdomäne ist und Männer sich über ihre Stimme weniger Gedanken machen. Doch wenn Frauen gleichziehen möchten, ist es notwendig, auch in diesem Bereich nachzulegen.

Warum hat es Angela Merkel zur Kanzlerin geschafft? Weil sie sehr männlich auftritt, häufig auch im Hosenanzug. Weil sie ihre Weiblichkeit kaum betont. Weil sie mit Körperanschluss spricht – auch wenn sie nicht das Optimum aus ihrem Stimmklang herausgeholt hat. Weil sie klar spricht und pointiert und Pausen machte, damit ihre Worte nachwirken können.

Mein Fazit daraus: Wenn Frauen in der Politik wirklich Fuß fassen wollen und ernstzunehmende Counterparts werden möchten, muss nicht nur die Rhetorik, Körpersprache und Medienpräsenz geschult werden, sondern auch die Stimme und die Kraft der klaren, auf den Punkt bringenden Sprache. Vielleicht wäre Annalena Baerbock gut beraten gewesen, eine*n Stimm-Expert*in mit in ihr Wahlkampfteam zu nehmen.

Denn starke Frauen, die etwas bewegen und die Politik weiblicher machen möchten, benötigen eine starke, stimmige Stimme! Dann werden sie gehört, respektiert und ernst genommen!